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Infobrief aus dem Booklet
der CD "Ave Maria"
Verehrte
Zuhörer, Sie
sind eingeladen zu einem festlichen geistlichen Konzert für Sopran,
Trompete und Orgel in St. Aposteln, einer der großen romanischen
Kirchen in Köln. Heike
Hallaschka, Sopran, Michael Landsky, Orgel
und der Verfasser dieses Schreibens an der Trompete haben für
Sie ein Programm zusammengestellt, das sowohl sehr bekannte, als auch
selten und noch nie gehörte Werke enthält: Nie
gehört und natürlich so auch nie wieder zu hören ist die Improvisation,
mit der Michael Landsky buchstäblich alle Register der erst vor wenigen
Jahren erbauten großen Orgel zieht. Die "Königin der
Instrumente" stellt sich in voller dynamischer Bandbreite und
Klangpracht vor. Als
meditative Einstimmung aber auf den Raumklang der romanischen Basilika
(mit erhabenen sieben Sekunden Nachhall) hören Sie zu Beginn unseres
Konzerts Georg Friedrich Händels Eternal
Source of Light Devine, in dem die menschliche Stimme und das
Blasinstrument in gleicher Lage und Phrasierung die "ewige Quelle göttlichen
Lichts" besingen. Die
virtuosere Seite des sogenannten Clarinblasens, aber auch des Gesangs,
zeigt Händel in der Arie Let the
Bright Seraphim aus seinem Oratorium "Samson". Den
originalen Streicherpart übernimmt hier die Orgel mit ihren vielfältigen
"Orchestrierungsmöglichkeiten". Die
Trompeten - Sonate D-Dur Henry
Purcells, des berühmtesten englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts,
wird auch hier von den "Orgelstreichern" begleitet. Sie ist
eines seiner beliebtesten und
bekanntesten Trompetenkonzerte, in dem nun der Solist so manches
"Register ziehen" kann. Nach festlichem Einleitungssatz
erklingt über einfachen Akkorden eine Kantilene,
gefolgt von einem tänzerischen und virtuos verzierten Schlußsatz.
Bei
der Fülle der überall zu hörenden Werke für Trompete und Orgel kaum
zu glauben: die Sonata per trombetta
sola des italienischen Meisters Giovanni Buonaventura Viviani ist
tatsächlich die einzige Komposition der Barockzeit, die original
für die Besetzung (Natur-) Trompete und Orgel existiert. Apropos
Barock - Die Kenner der Barockmusik unter Ihnen hören, daß wir bei
unserem Konzert nicht speziell eine historischer Aufführungspraxis und
Instrumentierung verpflichtete Interpretation anstreben: die
Sopranistin, durchaus mit "Alter Musik" vertraut, setzt ganz
bewußt ein in dieser Tradition oftmals vermiedenes, in neuerer
"romantischer" Praxis dagegen unverzichtbares natürliches
Vibrato ein. Die hohe Piccolotrompete klingt und phrasiert
"moderner" als eine Natur- oder Clarintrompete mit ihrer ganz
eigenen Charakteristik. Die Orgel schließlich ist nicht speziell nur für
Barockmusik disponiert. Wirklich
romantisch aber wird es in unserem geistlichen Konzert mit den beiden
Werken, die die große Orgelimprovisation umrahmen: "Ave Maria" - diese
Aufnahme möchten wir unserem Tonmeister Gerhard Betz widmen. Es war
sein (augenzwinkender) Herzenswunsch, dieses ebenso umstrittene wie glühend
verehrte Werk in unser Programm zu nehmen und ... es hat uns besonders
viel Freude gemacht! Ob es die "Schleifer" und glanzvollen
Spitzentöne des Soprans oder die "Schweller" und
abgrundtiefen Töne in der Orgelbegleitung sind, in dem riesigen
Kirchenraum von St. Aposteln, nachts um drei Uhr, hatte dieses Werk
etwas so Eindrucksvolles, daß wir uns alle vier spontan entschlossen,
der ganzen Aufnahme den Titel "Ave Maria" zu geben. In
gewisser Weise können Sie an diesem "Event" übrigens
authentischer teilnehmen, als Sie vielleicht erwarten: Das "Ave
Maria" hören Sie gleichsam als Live-Mitschnitt, da es in jener
Nacht als sogenannte Ganzfassung ohne jeden Schnitt aufgezeichnet wurde
(und was es kann es für einen Tonmeister schöneres geben, als sich zurückzulehnen
und ein Stück ohne irgendeine Korrektur aufzunehmen und zu genießen
... ?). Ganz
unspektakulär von der Stimmführung, aber nicht weniger ergreifend, ist
das ebenfalls sehr bekannte "Pie
Jesu", das Gabriel Fauré ins Zentrum seines Requiems setzt.
Der Komponist schreibt hier ausdrücklich eine Orgel als
feierlich-schlichtes Begleitinstrument vor. "Schlicht
und ergreifend" -
worauf kann dies bei Kirchenmusik mehr zutreffen, als auf einen Choral?
Als geistlichen Mittelpunkt unseres Konzerts hören Sie zwei Strophen
des Gemeindelieds "Wunderbarer König"
. Die mit einem einfachen Cantionalsatz, wie er in jedem Gottesdienst zu
hören ist, begleitete
Melodie in der Solostimme ist von der moderaten Lage und ihrem Duktus
her ganz dem Wort untergeordnet. Eine schmückende, aber eben vor allem
auch dienende Funktion hat das Vorspiel von Johann Christoph Oley und
die von Michael Landsky hinzugefügte Oberstimme der Trompete in der
zweiten Choralstrophe. Ein
besonders inniges Wort-Ton-Verhältnis liegt der Komposition Georg
Philipp Telemanns zugrunde, in der er den alttestamentarischen Text des
121. Psalms "Ich hebe meine
Augen auf zu den Bergen", man will nicht sagen
lautmalerisch, aber doch ganz nah am Text entlang interpretiert. Während
die Orgel reine Continuo-, also zurückhaltende Begleitfunktion hat,
steht die menschliche Stimme ganz im Vordergrund. Die Abschnitte der
einzelnen Bilder und Stimmungen des Psalms finden ihre genaue
Entsprechung in der Führung der Sopranstimme. Das hinzugefügte
Soloinstrument - Telemann, der die Möglichkeiten einer modernen
Ventiltrompete nicht kennen konnte, dachte übrigens an Geige oder Oboe
- hat nun die schöne Aufgabe, die "vox humana" zu präludieren,
zu begleiten, zu imitieren und ihre Verwandlungen mitzugestalten. Zum Schluß meines Begleitbriefes an Sie, verehrte Zuhörer, möchte ich
auf die "Königin der Instrumente" zurückkommen: Bachs Präludium
und Fuge C-Dur demonstriert noch einmal in ebenso strenger wie großartiger
Gestaltungskraft die Monumentalität des Instruments und des Raumes, der
uns während unserer nächtlichen Aufnahmen in St. Aposteln so stark
beeindruckt hat. P.S.:
Für
Technikinteressierte: Tonmeister Gerd Betz von der Firma Denon, dem wir
drei an dieser Stelle für seine hervorragende
Arbeit (und sein "Ave Maria"!) herzlich danken, hat mit zwei
Mikrofonen des dänischen Herstellers Brüel & Kjaer (Typ 4006 –
Kugelcharakteristik) die schwierig aufzunehmende Kombination Stimme,
Trompete und Orgel so natürlich wie möglich eingefangen. Diese Aufnahme wurde von Denon als Audio-DVD in einer Fünfkanal-Surround-Technik aufgenommen und unter dem Titel "Ave Maria – Works for Soprano, Trumpet and Organ" weltweit veröffentlicht. |